Ach du dicker Hund

 

Ist mein Hund zu dick? Diese Frage stellen sich einige Hundebesitzer und dies zu Recht, da in der heutigen Zeit jeder dritte Hund zu dick ist. Für jeden Rassehund wurde ein sogenannter FCI festgelegt, hierbei wird auch zwischen dem Rüden und der Hündin unterschieden. Jedoch müssen auch der Körperbau sowie die Muskeln berücksichtigt werden, da die Muskeln ein großer Teil des Gewichtes ausmachen.

 

Um festzustellen ob der Hund zu dick ist, kann man die eigenen Hände seitlich auf den Brustkorb des Hundes legen und leicht nach vorne und wider zurück streichen. So merkt man schnell, wie viel Fettschicht der Hund hat. Bei übergewichtigen Hunden sieht man die Taille von oben kaum und die Rippen sind schwer zu ertasten.

Sollte der Hund fettleibig sein, ist die Taille von oben nicht sichtbar, der dicke Bauch ist gut zu sehen und eine dicke Fettauflage liegt auf den Rippen und diese sind nicht zu ertasten. Die Knochen an der Schwanzbasis sind durch das Fett kaum tastbar. Wurde bei dem Hund ein Übergewicht festgestellt, sollte eine Diät gemacht werden, die jedoch vorher mit dem Tierarzt besprochen werden muss.

 

Es gibt sehr viele Gründe, warum ein Hund zu dick werden kann, jedoch ist der Hauptgrund das Futter. So kann das Hundefutter zu fettreich sein und zu viel Kohlenhydrate beinhalten. So braucht ein älterer Hund der sich weniger bewegt auch weniger kalorienreiches Hundefutter. Auch die Menge des Futters ist ein wichtiger Punkt, sowie wie viele Belohnungen der Hund bekommt und wie viel Auslauf er am Tage hat. Die Kastration beim Rüden oder bei der Hündin kann ebenso eine Rolle spielen, wie auch die Rasse. So gibt es Rassen, die eher zu Übergewicht neigen. Hierzu zählen zum Beispiel der Dackel, Labrador, Basset, Collie usw. Seltener zu Übergewicht neigen zum Beispiel folgende Hunde Boxer, Dobermann, Greyhound, Deutscher Schäferhund usw.

 

Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) werden als übermäßige Fettansammlungen des Körpers definiert. Adipositas ist ein Krankheitsbild, das schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann. Übergewicht beeinträchtigt, meist unbemerkt vom Tierbesitzer, die Lebensqualität des Hundes deutlich und löst andere lebensbedrohliche Erkrankungen aus.

 

Die Lebenserwartung des Hundes wird hierdurch deutlich verkürzt. Die Behandlung besteht in einer Ernährungsumstellung, Veränderungen der Verhaltensmuster sowohl des Tieres als auch des Tierbesitzers und einer unterstützenden medikamentellen Therapie.

 

Ursachen

 

Zu Übergewicht kommt es durch ein Ungleichgewicht von Energiezufuhr und Energieverbrauch des Tieres. In der Regel ist dies auf zu häufige Fütterung mit oftmals zu kalorienreichen bzw. zu großen Futterportionen in Kombination mit zu geringer körperlicher Bewegung zurückzuführen. Vielfach wird auch das “Leckerchen”, der “Snack zwischendurch” nicht als vollwertige, stark kalorienhaltige Nahrung berücksichtigt.

 

Bestimmte Verhaltensmuster und Fütterungsgewohnheiten tragen zur Entwicklung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei, da die Hunde ihr Futter “nach Wunsch” bzw. durch Betteln bekommen, mehrere Male am Tag gefüttert werden, Essensüberreste erhalten, von den verschiedenen Familienmitgliedern mit Leckerli verwöhnt werden oder ein zu energie- oder fettreiches bzw. geringwertiges Futter erhalten.

 

Zudem gibt es prädisponierende Faktoren wie:

Rasse (genetische Faktoren): Retriever (Labrador Retriever, Golden Retriever), Beagle, Basset Hound, Cocker Spaniel, Dackel, Sheltie, Deutscher Schäferhund und Terrier sind am häufigsten betroffen.

Kastrationsstatus: Kastrierte Hunde neigen eher zu Adipositas als nicht kastrierte Tiere.

Alter: Fettleibigkeit ist bei Hunden mit einem Alter von mehr als vier Jahren häufiger zu beobachten.

Zugrunde liegende Gesundheitsprobleme: wie endokrine Erkrankungen bedingt durch z.B. Überfunktion der Nebennierenrinde (Hyperadrenokortizismus) oder Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) wie auch Krankheiten, die mit einer Einschränkung der körperlichen Aktivität einhergehen (Osteoarthrose, Atemwegserkrankungen, Herzkreislauferkrankungen).

Arzneimittel: Vom Tierarzt verordnete und für die Gesunderhaltung notwendige Arzneimittel wie z.B. Gelbkörperhormon (Progesteron), Hormon der Nebennierenrinde (Cortikosteroide) und krampflösende Medikamente können krankhaft gesteigerten Appetit auslösen.

 

Symptome

 

Übermäßige Mengen an Körperfett können die normale Funktionsfähigkeit innerer Organe beeinträchtigen. Adipositas und Übergewicht können beim Hund zu schwerwiegenden gesundheitlichen Störungen führen. Die Lebenserwartung wie auch die Lebensqualität betroffener Tiere sind in der Regel reduziert. Zudem wird Adipositas mit einem erhöhten Risiko für weitere schwere Erkrankungen in Verbindung gebracht und fördert die Verschlechterung bereits bestehender Krankheitsbilder (z.B. Gelenkerkrankungen, Herzerkrankungen).

 

Übergewicht oder Fettleibigkeit wirkt sich auf den gesamten Organismus negativ aus, sodass das Risiko für die Entwicklung von Arthrose, Herzkreislauferkrankungen, Atemwegserkrankungen, Diabetes, Hautinfektionen und möglicherweise auch Krebs steigt. Auch das Narkose- und Operationsrisiko ist bei fettleibigen Hunden erhöht. Zu den sichtbaren Zeichen von Fettleibigkeit (ein deutlich über dem Idealgewicht liegendes Körpergewicht) können Symptome einer Begleiterkrankung (z.B. Lahmheit bei arthritischen Hunden) kommen.

 

Diagnose

 

Vermutet der Tierbesitzer, dass sein Hund übergewichtig ist, sollte er den Tierarzt aufsuchen. Dieser beurteilt den Ernährungsstatus des Tieres anhand des Body Condition Score (Körperkonditionsindex) und klärt ab, ob Erkrankungen bestehen, die mit dem Übergewicht in Zusammenhang stehen, ob eine Gewichtsreduktion erforderlich ist und wie hoch diese sein sollte. In der Praxis stellen Übergewicht und Adipositas allerdings nur selten den Hauptgrund für einen Tierarztbesuch dar. Körpergewicht und Body Condition Score sollten systematisch bei jeder Gesundheitsuntersuchung (Jahresuntersuchung) bzw. bei jedem Impftermin ermittelt werden.

 

Nur so kann festgestellt werden, ob der Hund zugenommen hat und ein erhöhtes Risiko für Osteoarthrose, Herzkreislauferkrankung usw. besteht. Es ist sinnvoll und ratsam alle Untersuchungsergebnisse in einem Gesundheitspass festzuhalten, damit gewährleistet werden kann, dass bei Ihrem nächsten Besuch keine notwendigen Vorsorgeuntersuchungen vergessen werden. Einen Gesundheitspass (siehe Abbildung) erhalten Sie bei Ihrem Tierarzt.

 

Die objektive Feststellung des bestehenden Übergewichts ist entscheidend, um den Grad der Adipositas zu bestimmen, das Zielgewicht festzulegen und das Gewichtsreduktionsprogramm zu definieren. Im Rahmen einer vollständigen klinischen Allgemeinuntersuchung muss außerdem beurteilt werden, ob zusätzlich eine Erkrankung besteht, die durch das Übergewicht noch verschlimmert wird. Die Diagnose von Adipositas beim Hund erfolgt auf der Basis einer einfachen Berechnung des Prozentsatzes an Übergewicht gegenüber dem optimalen Körpergewicht (Idealgewicht).

 

Fettleibigkeit (Adipositas) ist definiert als ein Körpergewicht, das 20% und mehr über dem Idealgewicht liegt. Als übergewichtig, aber nicht adipös, wird ein Hund bezeichnet, wenn sein Körpergewicht 5-20% über dem Idealgewicht liegt. Die Bestimmung des Body Condition Score (BCS, Körperkonditionsindex) stellt die am häufigsten verwendete Methode zur Diagnose von Fettleibigkeit dar. Sie basiert auf der visuellen Beurteilung sowie auf dem Ertasten des Körperfetts an Brustkorb, Taille und Dornfortsätzen der Wirbelsäule und daraus resultierend in der Einstufung in eine BCS-Klasse.

 

Behandlung

 

An erster Stelle bei der Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates (Osteoarthrose) und bei Atemwegs- und Herzerkrankungen steht häufig die Gewichtsreduktion. Jeder Gewichtsverlust, der den Hund näher zu seinem Idealgewicht bringt, ist von gesundheitlichem Nutzen. Hunde mit optimalem Körpergewicht leben nachweislich länger.

 

Die herkömmliche Therapie für fettleibige Hunde besteht in einer Diät (spezielles Diätfutter, angepasste Futterrationen) sowie in vermehrter körperlicher Bewegung. Die meisten Gewichtsreduktionsprogramme basieren heute auf folgenden Maßnahmen:

 

Medizinische Beurteilung des Gesamtzustandes des Hundes sowie des Ausmaßes an Übergewicht bzw. Fettleibigkeit, Diagnose und Therapie vorliegender Erkrankungen (z. B. hormonelle Störungen, Arthrose) und Erstellung eines Gewichtsreduktionsprogramms mit Diätplan und Trainingsprogramm.

 

Für diätorientierte Gewichtsreduktionsprogramme ist es nicht ratsam, einfach die Menge des normalen Futters zu reduzieren. Da die meisten wichtigen Nährstoffe mengenmäßig an den Energiegehalt des Futters angepasst sind, könnte es dadurch nämlich zu einer Mangelernährung des Hundes kommen. Empfehlenswert ist hingegen die Umstellung auf ein speziell für die Gewichtsabnahme entwickeltes Diätfutter. Zur Verfügung stehen eine ganze Reihe an Produkten, mithilfe derer die tägliche Energiezufuhr begrenzt werden kann.

 

Gewichtsreduktionsprogramme, die jedoch nur auf Diät und vermehrter Bewegung beruhen, sind für die Tierbesitzer häufig schwierig umzusetzen und auch für den behandelnden Tierarzt ist es meist schwer, diese Behandlung zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Die Besitzer sehen sich nämlich mit einem bettelnden Hund konfrontiert, der die angebotene Diät vielleicht auch noch ablehnt. Zudem bieten andere Familienmitglieder dem Hund zusätzliches Futter an oder die Hunde haben aufgrund der bestehenden Fettleibigkeit und der Folgeerkrankungen bereits Schwierigkeiten, vermehrt körperlich aktiv zu sein. Angesichts fehlender Erfolge sind die Hundebesitzer frustriert, was eine zunehmende Unzufriedenheit mit der Therapie und sinkende Motivation zur Folge hat.

 

Seit einiger Zeit sind auch medikamentöse Behandlungen von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Hunden zugelassen. Die speziell für Hunde zugelassenen Arzneimittel bewirken durch Verringerung des Appetits eine Reduktion der Energieaufnahme und zusätzlich eine verminderte Fettresorption. Die Reduktion des Appetits bewirkt den Haupteffekt der Gewichtsabnahme des Hundes. Dies bedeutet einen besonderen Vorteil in jenen Fällen, wo die Problematik darin besteht, dass Futterentzug zur Gewichtsreduktion mit einem negativen Verhalten assoziiert wird (d.h. vermehrtes Betteln der Hunde oder Durchstöbern des Mülls nach Fressbarem). Durch solche negative Verhaltensweisen sinkt die Bereitschaft des Tierbesitzers, sich strikt an die verschriebene Diätstrategie zu halten. Dies ist die Hauptursache des Scheiterns von Gewichtsreduktionsprogrammen.

 

Die neuen Medikamente zur Unterstützung der Gewichtsabnahme bei Hunden werden in Kombination mit aktiven diätetischen Maßnahmen angewandt. Der Schlüssel zum Erfolg besteht in der Fütterung einer kompletten Diät mit ausgewogenem Nährstoffgehalt zusammen mit dem Einsatz dieser Arzneimittel. Theoretisch sind dafür alle hochwertigen, ausgewogenen Diätfuttermittel geeignet.

 

Die Präparate zur Unterstützung der Gewichtsabnahme werden in flüssiger Form angeboten und können vom Hundebesitzer einmal täglich einfach auf die Futterration gegeben oder direkt in das Maul des Hundes verabreicht werden. Das Medikament wird im Allgemeinen gut vertragen, doch können Nebenwirkungen vorkommen. Dabei handelt es sich meist um gastrointestinale Störungen, wie z.B. Erbrechen. Die Nebenwirkungen treten vorwiegend in den ersten paar Wochen der Therapie oder nach einer Dosiserhöhung des Arzneimittels auf.

 

Eine generelle Änderung der Lebensweise ist bei jedem Gewichtsreduktionsprogramm wichtig, auch wenn eine Diät gefüttert wird und eines der genannten neuen Medikamente zum Einsatz kommt. Nur so lässt sich ein dauerhafter Erfolg erzielen. Eine geänderte Lebensweise zielt nicht nur auf einen vermehrten Energieverbrauch durch vermehrte körperliche Aktivität, mit regelmäßigen Spielzeiten und auf eine bessere Lebensqualität durch vermehrtes Spiel und intensivere Mensch-Tier-Interaktion ab: Sie umfasst zudem eine Änderung der Fütterungsgewohnheiten, wie das genaue Bemessen der täglichen Futterration und die Aufzeichnung der Futteraufnahme pro Tag, Verhindern von unkontrollierter Nahrungsaufnahme, spielen oder spazieren gehen als Belohnung.

 

Prophylaxe

 

Wie bei den meisten Krankheiten gilt auch für die Adipositas, dass Vorbeugen besser als Heilen ist. Fettleibigkeit beeinträchtigt in vielfältiger Art und Weise die Gesundheit und das Wohlbefinden des Tieres, verringert merklich die Lebensqualität und ist lebensverkürzend. Somit lassen sich Gesundheit und Wohlbefinden des Hundes allein schon dadurch drastisch verbessern, dass der Entwicklung von Übergewicht und Fettleibigkeit vorgebeugt wird, anstelle erst dann aktiv zu werden, wenn das Problem bereits vorhanden ist.

 

Vorausschauendes Handeln ist hinsichtlich des Managements von Gewichtsproblemen beim Hund vor allem auch vom tierärztlichen Personal gefragt, das die Tierbesitzer entsprechend beraten und über die Gefahren der Adipositas aufklären muss. Alle Maßnahmen, die im Abschnitt „Änderungen der Lebensweise” angeführt sind, dienen nicht nur der Therapie, sondern auch der Prävention von Fettleibigkeit.

 

Ermittlung des Körpergewichts und Beurteilung des Body Condition Score bei jedem Tierarztbesuch:

Beides sollte Bestandteil jeder Routineuntersuchung sein, damit bereits geringste Veränderungen beim individuellen Tier bemerkt werden. Geringe Gewichtsverluste, die im Rahmen dieser Untersuchungen bemerkt werden, können ein erster Hinweis auf ernste Erkrankungen sein, während leichte Anstiege des Körpergewichts (infolge Überfütterns oder Krankheit) sofort bemerkt und korrigiert werden können.

 

Die Bedeutung eines gesunden Körpergewichts muss vom Tierarzt so früh wie möglich an die Hundebesitzer herangetragen und im Laufe des Hundelebens regelmäßig wiederholt werden:

Eine Beratung zu gesunder Ernährung und Bewegung des Hundes sollte Bestandteil jeder Welpensprechstunde sein. Und auch danach sollte dieses Thema bei jedem Tierarztbesuch angesprochen werden. Am besten ist es, das Körpergewicht und den Zustand als Teil während der jährlichen Routineuntersuchungen zu überprüfen und ggf. einzugreifen.

 

Vor allem auf Gewichtszunahmen infolge einer Kastration sollten die Hundebesitzer hingewiesen werden:

Zu empfehlen sind 2-3 Gewichtskontrollen innerhalb der ersten 6-12 Monate nach der Kastration, um jene Tiere zu identifizieren, bei denen ein Risiko für Übergewicht besteht und um erste Anzeichen dafür erkennen zu können, bevor das Körpergewicht zum Problem wird.

 

Fördern eines gesunden Lebensstils für alle Hunde:

Tierbesitzer sollten ermuntert werden, ein verantwortungsvolles Fütterungsverhalten zu praktizieren. Dazu lassen sich viele der zur Behandlung von Fettleibigkeit empfohlenen Strategien (Änderungen der Lebensweise) heranziehen. Diese Strategien umfassen das Füttern definierter Rationen (Abwiegen), die Aufzeichnung der gefressenen Futtermengen, Vermeiden der Gabe von zusätzlichen Leckerli, vermehrte körperliche Aktivität durch Training und regelmäßiges Spielen mit dem Hund. Im Idealfall sollte jedes Mitglied des Praxisteams von sich aus die Hundebesitzer immer wieder diesbezüglich ansprechen und bestärken und in jedem Wartezimmer sollte den Tierhaltern die entsprechende informative Literatur zur Verfügung stehen.

 

(Quelle: Pfizer GmbH)

   
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